#mADQ 004: Eisenstadt bis Sopron

Das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu und seit Lindas Geburt Mitte letzten Jahres habe ich meine Alpendurchquerung nicht fortsetzen können. Da ich mir vorgenommen hatte, mindestens eine Etappe pro Jahr zu schaffen wurde es also höchste Eisenbahn.

Wegen des herbstlichen Wetters war es dann mehr Pflicht als Kür, aber dennoch: geschafft ist geschafft :)

Anreise

Die Pflicht wollte ich so erledigen, das am selben Tag noch möglichst viel Familienzeit rausschaut – also in der ersten Tageshälfte. Weil ich wegen der Kinder am Vortag nicht zum Packen gekommen war klingelte der Wecker um 4 Uhr, was angesichts einer sehr schlechten Nacht mit kaum Schlaf die Sache nicht einfacher machte. Entsprechend brauchte ich am frühen Morgen dann etwas länger Zeit und als ich zum Bahnhof aufbrach, war es schon so spät, dass ich sehr schnell fahren musste – Maximalleistung. Während ich auf Moosbierbaum zudonnerte und noch einen halben Kilometer entfernt war rollte unten in der Ebene die S-Bahn an mir vorbei und in die Haltestelle ein. Eine Minute vor Abfahrt erreichte ich den Bahnsteig und war komplett platt.

Zum Glück sollten es die intensivsten Fahrradminuten des Tages bleiben. In Wien folgte wegen Zugverspätung eine etwas raschere Fahrt vom West- zum Hauptbahnhof, die ich leider aufzuzeichnen vergaß.

Am Hauptbahnhof versorgte ich mich mit einem kleinen Frühstück und machte es mir sodann bequem im Regionalzug nach Eisenstadt mit Kaffee und Mehlspeisen in den Händen sowie meiner Lieblings-Postrock-Morning-Playlist auf den Ohren. Unterwegs waren in der Ferne weder der See noch das Leithagebirge zu erkennen, wo ich die ersten drei bis vier Etappen verbracht hatte. Der Seewinkler Herbst zeigt sich heute von seiner allerschönste Seite ;)

Eisenstadt bis Sopron

Los ging es also von Eisenstadt. Mein Fahrrad war mit zwei Packtaschen und Lenkertasche außerordentlich beladen für so eine kurze Tour. Ich hatte für jede Schicht am Körper und jedes Bekleidungsstück ein bis zwei Stück Ersatzkleidung eingepackt und das Motto »Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung« mit dem Motto »Doppelt hält besser« verstärkt – und das war gut so, wie sich noch zeigen sollte.

Von Eisenstadt fuhr ich über Trausdorf an der Wulka / Trajštof nach Siegendorf / Cindrof – an jenen Ort, aus welchem die Tamburica-Gruppe stammt, die unsere Hochzeit so schön begleitet hatte. Fast das ganze Jahr lang hatte ich gehofft, hier eine familienfreundliche Tour mit Konzertbesuch planen zu können, aber ihre diesjährigen Auftritte boten dafür leider keine Gelegenheit. Diese Etappe werden wir also nachholen, denn ich fände es sehr nett, wenn wir nach all den Jahren mit unseren Kindern bei einem ihrer Konzerte auftauchen. Vielleicht ja schon nächsten Sommer?

In Siegendorf / Cindrof knipste ich dann kurz das einzige Foto, das ich an diesem Tag vom Rad aus aufnehmen sollte. Wegen des Regens wollte ich alle elektronischen Geräte so wenig wie möglich rausholen. Und ebenfalls wegen des Regens beschloss ich in Siegendorf spontan in einer Bäckerei etwas Rast zu machen, mich ein wenig aufzuwärmen und zu trocknen. Allzu hungrig war ich zwar nicht, aber der heiße Kaffee war trotzdem gut und für die Kinder daheim kaufte ich ein paar Rahmkipferl ein.

Kurz vor 10 Uhr ging es wieder aufs Rad und raus aus Siegendorf / Cindrof. Bis zur ungarischen Grenze wartete überraschend viel Steigung auf mich und auf dem beladenen Trekkingrad merkte ich bald, dass ich diese spezifische Anstrengung überhaupt nicht mehr gewohnt bin – im Alltag fahre ich ja wegen der Lastenräder fast nur noch mit Motorunterstützung und hin und wieder Rennrad. Ja, auch diese Fitness ist dahin…

Sopron erreichte ich dann trotzdem gut und es nieselte nur noch ganz leicht. Mein Trekkingrad habe ich diese Saison ja erstmals mit Gravel-Reifen bestückt und diese Ausfahrt war meine erste längere Fahrt, um das beurteilen zu können. Mit deutlich weniger Luftdruck fahren zu können und der bessere Grip aufgrund des Profils haben sich schnell ausgezahlt, auf der Strecke war nicht wenig unasphaltierter Anteil und bis auf einen kleinen Rutscher über Laub und Gatsch bin ich sehr gut durchgekommen. Außerdem sehen sie an meinem Rad einfach schick aus :)

Abreise

In der Bahnhofshalle in Sopron wärmte ich mich dann langsam wieder auf, trank meinen noch heißen Tee aus der Thermoskanne und wartete auf den nächsten Zug Schienenbus nach Wiener Neustadt. In diesen eingestiegen zog ich mich vollständig um in trockenes Gewand, machte es mir auf dem Sitz bequem und aß noch alle Rest auf. Das mit dem Langos und dem Soproni hebe ich mir für ein anderes Mal auf – am besten gemeinsam mit Alex oder Florian :)

In Wien folgte eine kurze Fahrt vom Bahnhof Meidling zum Westbahnhof…

…und vom Bahnhof Sitzenberg-Reidling ging es dann ganz gemütlich wieder Ha(u)se. Es war 14:30 Uhr und ich konnte noch einen halben Tag mit den Kindern verbringen. Mission complete :)

Meine Alpendurchquerung #mADQ

Rückblick

Dieses Jahr war ich richtig froh, dass ich mir die Regel gesetzt hatte, mindestens eine Etappe pro Jahr zu machen. Seit Anfang des Jahres habe ich immer wieder überlegt und geplant, wie und wann wir als Familie die nächste Etappe machen und wie wir dabei den Besuch eines Auftritts der Tamburica Cindrof am besten unterbringen. Ein Jahr lang habe ich keinen günstigen Zeitpunkt finden können. Ohne die Ein-Etappen-Regel hätte ich dieses Jahr vermutlich frustriert abgeschrieben und gar nichts mehr unternommen.

Gleichzeitig war ich richtig froh, dass ich mir nicht mehr als eine Etappe pro Jahr als Regel gesetzt hatte. So konnte ich dieses Jahr meine Pflicht erfüllen und werde ich es auch künftig schaffen, wenn es sich wieder mal ein Jahr lang nicht so richtig ausgehen sollte.

Und was ich auch gelernt habe: sollten irgendwelche Schicksalsschläge des Lebens mein Vorhaben bedrohen weiß ich jetzt, dass ich mich im schlimmsten Fall auch im Winter für ein paar Wochen aufs Rad setzen kann um die Alpendurchquerung zu Ende bringen. Das wäre dann vielleicht nicht ganz so genussvoll, mehr Pflicht als Kür eigentlich, aber: geschafft wäre geschafft ;)

Ausblick

In den letzten Tagen ist mir beim Nachdenken über den weiteren Verlauf meiner Alpendurchquerung der Wanderweg am Wiener Alpenbogen wieder eingefallen, für den ich mich vor vielen Jahren mal interessiert hatte. Er ist ein über weite Strecken recht leichter und daher vermutlich kind- und familiengerechter Wanderweg.

Anders als bisher geplant könnte ich diesen noch einbauen, bevor ich mich an die Haute Route Niederösterreich wage. Denn ursprünglich wollte ich als nächstes von Sopron nach Ternitz kommen (per Trailrunning oder Mountainbike) und dort den Einstieg in die Haute Route machen. Das heißt natürlich, dass ich mich noch länger in einem nicht so richtig alpinen Gelände aufhalten werden und v. a. noch mehr Zeit in den Ost-Alpen (und deren östlichsten Ausläufern) verbringen werde. Andererseits soll dies ja meine ganz persönliche Alpendurchquerung werden und da werden die Ost-Alpen eben die Hauptrolle spielen, denn dazu habe ich am meisten Bezug. Wir werden sehen, ich lasse mich überraschen…

Bisherige Etappen

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